vom Scheitern
und anderen Kleinigkeiten
theater fensterzurstadt.10
Wir alle scheitern. Täglich. Immer wieder.
An guten Vorsätzen, an abenteuerlichen Plänen und Ideen.
Am Widerstand anderer oder an uns selbst und unseren Ansprüchen.
Und immer wieder beginnen wir von neuem. Mit dem Kopf gegen die
Wand, das Unmögliche riskieren, alles setzen und scheitern,
stolpern, fallen, wieder aufstehen und wieder fallen. Einer Utopie
ins Leben helfen wollen und an der Realität versagen, von
neuem beginnen und nicht aufgeben: weitermachen. Und wieder Scheitern.
Scheitern ist alltäglich - wohin man schaut. In einer immer
schnelllebigeren Zeit die vom stetigen gesellschaftlichen, ökonomischen
und technologischen Wandel bestimmt wird sind auch unsere Biographien
immer mehr geprägt von Brüchen, zerfallen in einzelnen
Lebensphasen, vollziehen sich nicht länger geradlinig sondern
in Wellen: im verwerfen von Plänen und neuen Beginnen. Diese
Brüche sind die Marksteine die Nullpunkte unserer geschwungenen
Lebenslinien. Wenn ein Scheitern aber nicht mehr ausgeschlossen
werden kann, sollte es eingeplant werden. Oder trainiert. Denn
schon morgen kann die Kündigung im Briefkasten liegen, der
Partner die Scheidung eingereicht haben, im Salto vorwärts
die Orientierung verloren gehen oder der sicher gemeinte Sieg
noch in der Nachspielzeit durch zwei Gegentore verspielt werden.
"Das
große Stolpern" ist dieses Trainingslager. Eine Feier
der unvollendeten Pläne, der gescheiterten Ideen und Visionen,
des kläglichen und auch des großartigen Versagens,
eine Serie der Niederlagen und ihrer Fortsetzungsfolgen. Ein work
in progress, das im Windschatten einer überbordenden und
täglich wachsenden Flutwelle der Ereignisse und Berichte
aus authentischen Material, in Interviews und Improvisationen,
aus Szenen- und Textfragmenten entsteht.
Der Moment des Scheiterns liegt dabei auf kurvigen Weg. Verpasste
Chancen, geplatzte Träume, verlorene Lieben strukturieren
den Lauf des Lebens hangabwärts. Was fehlt? Trost natürlich.
Und Lachen. Befreiendes Lachen. Katharsis. Sportiver Geist. Und
Musik. Innehalten, bevor wir wieder versuchen unser Leben selbst
in die Hand zu nehmen. Und sehen wie doch alles ganz anders kommt
als wir geplant haben.
Von und
mit:
Alexandra Faruga, Carsten Hentrich, Denise M'Baye,
Ruth Rutkowski, Heino Sellhorn und Renzo Solórzano
Inszenierung/Produktionsleitung:
Ruth Rutkowski und Carsten Hentrich
Bühne/Licht: Alexander Tripitsis Musik: Heino Sellhorn Kostüme:
Ruth Rutkowski
Uraufführung
am 14. Dezember 2005 im Ihmezentrum Hannover
Die Produktion wird
gefördert durch:
Land Niedersachsen,
Kulturbüro
der Landeshauptstadt Hannover, Niedersächsische
Lottostiftung und Firmengruppe Engel.