frei
nach den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
theater fensterzurstadt.13
Literarische
Vorlage und Ausgangspunkt unseres Projektes sind die Kinder- und Hausmärchen
in der Anfang des 19.Jahrhunderts erschienenen Sammlung von Jakob und Wilhelm
Grimm. Schon zu Lebzeiten der Brüder wird das Werk, wenn man so sagen will,
ein Bestseller. Heute ist es eines der meistgelesenen und meistübersetzten
Werke der Weltliteratur: ein nahezu unerschöpflicher Schatz mündlich
überlieferter Lebenserfahrung, die von Sehnsüchten und Ängsten,
von Glück und Schrecken, den oft langen Suchwanderungen des Menschen nach
sich selbst erzählt und sich durch die Jahrhunderte in den Märchen zu
kollektiven Symbolen, über Zeitalter und Kulturkreise hinaus zu universellen
Bildern des menschlichen Seins verdichtet haben.
Grimms
Märchen Remixed ist der Versuch, jenseits gängiger Konventionen der
darstellenden Kunst einen neuen und eigenen Zugang zu dem großen Stoff zu
gewinnen. Es ist kein Weihnachtsmärchen! Keine Nacherzählung! Kein Liederabend!
Kein Vormittagsprogramm und kein texttreues Remake! Vielmehr ein assoziatives
szenisches Gemälde, ein Mosaik ohne Anspruch auf Vollständigkeit, eine
Wirklichkeitserkundung in dem durchaus reellen Bereich der Urbilder der menschlichen
Phantasie: wir zerbrechen den Spiegel, den die Märchen allen Epochen zuvor
und auch uns heute noch vorhalten, in tausend Stücke, nehmen die Motive die
uns zu Herzen gehen und noch nach dem Erwachen begleiten und setzen sie neu zusammen
zu einer eigenen Geschichte, die hier an einem Abend im 21. Jahrhundert von der
Wirklichkeit und Kraft der in den Märchen tradierten Bildwelten erzählt,
von der Macht des Träumens und auch von der Macht der Liebe.
In
der Welt von Grimms Märchen Remixed ist Verwandlung ein Kinderspiel; Zeiten
und Lebensalter werden mit einem Satz durchwandert, jeder kann immer alles in
einem sein: Hans im Glück, der Schneider im Himmel, ein Wolf, ein Mädchen,
Prinzessin und Hexe zugleich, sogar ein verwunschenes Schloss oder ein 100-jahriger
Rosenstock. Der Widerspruch ist Prinzip, Logik ein Fremdwort: alles ist möglich
und viel zu schön um wahr zu sein
Die
Akteure in diesem Irrgarten des kollektiven Gedächtnis sind hoffnungslos
romantisch, Anhänger des gesprochenen Wortes, Liebhaber der erzählerischen
Improvisation, wachträumende Kinder in den (v)erwachsenen Körpern moderner
Großstadtmenschen. Verloren in den hochtechnisierten Einsamkeiten des weltumspannenden
Global Village sind sie bis zum Ersticken erfüllt von dem Verlangen nach
Poesie, Kreativität und Phantasie. Sie sind radikale Gutmenschen; zärtlich
und unerbittlich grausam zugleich; Wiederholungstäter des "
es
war einmal " oder "
wenn sie nicht gestorben sind"; wider
besseres Wissen und erwachsener Vernunft produzieren sie Schrecken und Angst,
Erfüllung und Happy Ends in Serie.
Mit:
Alexandra
Faruga, Carsten Hentrich, Anna Katharina Köpnick, Nora Otte, Heino Sellhorn
und Renzo Solórzano
Inszenierung:
Ruth Rutkowski u. Carsten Hentrich
Bühne, technische
Leitung: Alexander Tripitsis
Kostüme, Leitung
Ausstattung: R. Rutkowski
Musik, Komposition,
Sound: H. Sellhorn
Uraufführung
am 2. November 2007 in der alten Tankstelle Striehlstrasse, Hannover
Die Produktion wird gefördert
durch:
das Land Niedersachsen,
das Kulturbüro
der Landeshauptstadt Hannover, und die Niedersächsische
Lottostiftung.