eine Erinnerung
an die Wiedervereinigung nach
Thomas Brussigs gleichnamigen Roman
theater fensterzurstadt.8
Thomas Brussigs (Jahrgang 1965) Wenderoman "Helden
wie wir" avancierte mit seinem Erscheinen 1995 schnell zum
Kultbuch der ehemaligen DDR.
Der Held der
Geschichte ist Klaus Uhltzscht. Schon allein dieser Name: U H
L T Z S C H T : unaussprechbar. Ein "Flachschwimmer, Toilettenverstopfer,
kleiner Trompeter, Totensonntagsfick, Stasispitzel, Perversionsforscher".
Klaus Uhltzscht ist aber nicht nur mit seinem Namen geschlagen,
sondern auch mit einem Stasi-Vater, und einer hyperhygienischen
Mutter als totaler Kontrollinstanz. Er verlebt eine verklemmte
Kindheit, eine qualvolle Pubertät und eine freudlose Ausbildung
- natürlich - bei der Stasi. Was ihn so leidlich aufrechterhält
ist einzig die Gewißheit, in geheimer Mission irgendwann
ins kapitalistische Ausland geschickt zu werden und als Vollender
der sozialistischen Revolution in die Geschichtsbücher einzugehen.
Es kommt dazwischen: der Herbst 1989: ein Unfall auf dem Alexanderplatz:
Kurz nachdem er die Rede von Christa Wolf mit der der Eislauftrainerin
Jutta Müller verwechselt hat, stolpert Uhltzscht über
ein Demoschild an einem Besenstiel, rammt sich selbiges in die
Eier und erwacht im Krankenhaus, wo aus seinem Winzschwanz plötzlich
ein Riesenpimmel geworden ist. Auf dem Weg, diejenigen damit herauszufordern,
die ihm beim Duschen bislang verlacht haben, gerät er am
9. November an den Grenzübergang Bornholmer Straße,
wo "Wir sind das Volk" - Volk dumpf brütet. Er
läßt die Hosen runter - und...
In der Bühnenfassung
des Deutschen Theaters in Berlin von 1996 wurde der Roman auch
als Monodram zu einem Erfolg. Bald zehn Jahre später wird
das Stück zumal in Westdeutschland kaum gespielt. Zu Unrecht,
denn es ist ein "Tour de farce", die "ganz allgemein
von der höheren Sinnsuche des Rädchens im Räderwerk
erzählt"(TAZ Berlin), die jenseits von moralischer Verwerfung
der DDR oder ostalgischer Verklärung der sozialistischen
Vergangenheit mit tiefgründigen Lachen auf die historischen
Umwälzungen reagiert.
Schauplatz
der Geschichte ist ein Hinterzimmer, eine Abstellkammer der flüchtigen
Zeitläufe, vielleicht das vom Held erträumte "Klaus-Uhltzscht-Museum",
in dem er, immer noch nicht mit der Anerkennung des Befreiers
gesegnet, seine Fassung der historischen Umwälzung wieder
und wieder erzählt.
Mit: Carsten Hentrich, Andreas Jessing,
Alexandra Faruga
Inszenierung:
Ruth Rutkowski
Bühnenbild
/ Technische Leitung: Alexander Tripitsis
Aufführungsrechte:
mit freundlicher Genehmigung des henschel
SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin GmbH
Premiere
am 25. November 2004 im Ihmezentrum Hannover
Die Produktion
wird gefördert durch:
Land Niedersachsen,
Kulturbüro
der Landeshauptstadt Hannover und Firmengruppe Engel.