theater fensterzurstadt.12
Täglich
kommen wir in den unterschiedlichsten Lebenssituationen mit unserem
Nächsten in Kontakt: in Treppenhäusern und Hausfluren,
in Eigenheimsiedlungen, Reihenhäusern und Mietskasernen,
in Krankenzimmer, Wohnheimen, im Kino oder in der U-Bahn. Hinter
der anonymen Fassade unseres Zusammenlebens gibt es den Glücksfall
der guten Nachbarschaft, die schnell und einfach Hilfe bietet
und in Krisen und Notsituationen zur starken Solidargemeinschaft
zusammenwächst, wie auch die Schreckensmeldungen vom real
anhaltenden Terror der Grenzstreitigkeiten zwischen blindwütig
verfeindeten Streitparteien und Familien.
Unser Verhältnis
zum Nachbarn definiert sich zuallererst im Raum: sauber markiert
mit Gartenzäunen, Mauern, Hauswänden, Platzkarten, sogar
Strandmatten oder Handtüchern auf Sonnenliegen. Ein Konflikt
kann aus scheinbar geringem Anlass entstehen und sich schnell
zu einer anhaltenden und manchmal existentiellen Krise ausweiten,
wie ein paar aktuelle Beispiele belegen: im Mecklenburgischen
zieht sich eine Nazi- Kameradschaft das Straßenkampflied
"Horst-Wessel" rein, und ermordet anschließend
den Nachbarn, der sich darüber beschwert; im (hannoverschen)
Altenheim erschlägt der Bettnachbar seinen Zimmergenossen,
weil der zu sehr schnarcht und in der scheinbar beschaulichen
Idylle des hessischen Diemelsee endet der Nachbarschaftsstreit
zweier Familien in den verkohlten Überresten ihrer Eigenheime.
Wir alle sind
Nachbarn: gut oder böse; laut oder leise; Freund oder Feind;
tot oder lebendig; in jedem Fall auf Gedeih und Verderb dem zufälligen
Zusammentreffen mit unserem Nächsten Tür an Tür
oder Land an Land ausgesetzt.
"Nachbarn!"ist
ein work in progress, das sich auf der Assoziationsfläche
eines zeitlos aktuellen Themas entfaltet, eine in ihre Einzelteile
versprengte Parabel angesiedelt im vermutlich kleinsten Szenario
des internationalen Zusammenlebens. Ein hoffnungslos hoffnungsvolles
Projekt wider die Kleinstaaterei des Geistes, in dem sich das
notorisch fremde Wesen von nebenan konsequent in den Vordergrund
drängt: im engen Kompressionsraum der Bühne leben vier
Akteure und ein Musiker in den Himmelsrichtungen ihres sorgsam
bewachten Schutz- und Rückzugsraum der eigenen vier Wände.
Sie sind alle sehnsüchtig nach Stille und Selbstbestimmung
und können doch keinen Frieden finden. Diskostampf, Volksmusik,
Schlagerparade oder Klassikradio: die Geräuschkulisse ihrer
intimen und ideologisch verbrämten musikalischen Vorlieben,
ihrer Anklagen und Plädoyers, ihrer heimlichen Liebes- und
Kriegserklärungen verbindet sich in >Nachbarn!< zu
einem polyphonen Mosaik der urbanen Realität, das wir an
einem besonderen Spielort in der Innenstadt Hannovers realisieren:
der alten, seit mehreren Jahren verlassenen Tankstelle an der
Striehlstrasse/ Ecke Nordfelder Reihe.
Premiere am
23. Mai in der alten Tankstelle Striehlstr. 14 /Ecke Nordfelder
Reihe (Nähe Cinemaxx Nikolaistrasse)
Mit:
Karl-Heinz Ahlers, Alexandra Faruga, Carsten Hentrich,
Anna Katharina Köpnick
Inszenierung:
Ruth Rutkowski u. Carsten Hentrich
Bühne, Licht, Technik: Alexander
Tripitsis
Musik,
Komposition, Sound: Jan Exner
Kostüme: Ruth Rutkowski
Produktionsassistenz: Melanie Huke
Die Produktion
wird gefördert durch das Land
Niedersachsen, das Kulturbüro
der Landeshauptstadt Hannover, die Niedersächsische
Lottostiftung und die Rigips
GmbH Bodenwerder.