eine multimediale
Projektion
theater fensterzurstadt.15
Gib mir
das "Silke- Gefühl" zurück
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit: Das Theater
fensterzurstadt wühlt in alten Kisten und findet "Photographs
and Memories"
Hat noch jemand
eigene Erinnerungen an die Wende? Oder schwirren einem bloß
die tausendfach gesehenen Medienbilder durch den Kopf: Genscher
in Prag, Menschen auf der Mauer, Trabbis in den Weststädten?
Und wer kann Erlebtes und Gesehenes schon noch auseinander halten?
Die Erinnerung geht ihren eigenen Weg, sie greift sich den Moment,
vermischt ihn mit anderen Eindrücken, gibt reichlich Phantasie
hinzu und füllt den Rest mit Wunschdenken auf. Die freie
Theatergruppe fensterzurstadt aus Hannover hat dieses Phänomen
in der Alten Tankstelle an der Striehlstraße bis zum pathologischen
Befund ausgereizt: Am Ende erzählt Alexandra von ihrem Kind,
das sie nie bekommen hat.
Das ist die
extremste Ausprägung des rund siebzigminütigen Multimedia
- Spiels "Photographs and Memories" mit Super-8-Filmen,
Fotografien und musikalischen Jugendsünden - clever choreografierte
Erinnerungsfetzen aus den privaten Biografien der vier Schauspieler.
Mit Schwung schmettert Alexandra Faruga eine Schuhschachtel mit
alten Musikkassetten auf den Boden, wahllos greift sie sich eine
davon - ein schönes Bild für den Zufall und für
die Einzigartigkeit des Moments, der wie eine Theateraufführung
nicht zu wiederholen ist. Und die Musik: regt zwar das Gedächtnis
an, doch das Gefühl von damals bleibt aus.
Alexandra
Faruga, Carsten Hentrich, Heino Sellhorn und Nora Otte machen
sich dennoch auf die Suche nach dem authentischen Erlebnis. Sie
schnuppern den Duft der Vergangenheit aus Einweckgläsern
und wollen "das Silke-Gefühl" vom Baggersee wiederherstellen.
Im Wechsel tauchen sie in den Lichträumen auf, die Ruth Rutkowski,
Alexnader Tripitisis und Jürgen Salzmann einfallsreich über
die Szene legen. Immer derselbe Scheinwerfer schafft einen Raum
für die Metaebene. "Vielleicht gibt es ein Über-Ich",
grübelt Alexandra da. " das sitzt im Aussichtsturm und
sortiert meine Erinnerungen nach Gewicht."
Von Ralf Heußlinger
Hannoversche
Allgemeine Zeitung vom 17. Oktober 2008
Das kleine
Theater von Erinnerungen und Identität
Ein Musikstück,
Kassetten aus der Schulzeit, oder der Geruch einer regennassen
Straße vermögen es, Bilder in uns hervorzulocken. Auf
die Suche nach diesen Splittern der eigenen Geschichte haben sich
vier Schauspieler in "Photographs & Memories" im
Theater Fensterzurstadt begeben. Ein Abend, der sich damit beschäftigt,
was Erinnerungen sind und wie sie unsere Identität ausmachen.
In loser chronologischer Abfolge widmen sich vier Personen zwischen
Ende 20 und Ende 40 den wichtigsten Erlebnissen ihres Lebens.
Dem Streit mit den Eltern wegen lauter Musik, aber auch Enttäuschungen
in der Liebe und dem Tod des Vaters. Der Zuschauer kann bei jeder
Sequenz sagen: das kenne ich.
Das Team um
Regisseurin Ruth Rutkowski hat für die menschlichen Erfahrungen
klare und überraschende, theatrale Bilder gefunden. So zum
Beispiel, wenn Alexandra Faruga ihren Liebhaber wegstößt,
nur um ihn Bruchteile von Sekunden später an einer roten
Leine wieder zu sich zurückzuziehen.
Behutsam und geschickt setzt die Inszenierung Video- und Fotoprojektionen
ein, um innere Bilder sichtbar zu machen und Musik und Licht um
Situationen herzustellen.
Von Anna Berger
Neue
Presse vom 17. Oktober 2008
radio flora:
Beitrag im Morgenmagazin "aufgeweckt"
"Die
Uhr schlägt unaufhaltsam. Und ehe man sich versieht, hat
man die größte Strecke seines Lebens schon hinter sich.
Was bleibt sind Erinnerungen. Genau das ist das Thema von Photographs
and Memories.
(...)
Das Leben
selbst wird dargestellt über Schauspiel, Video und Musik.
Eine imposante Mischung, die eine spannungsvolle Atmosphäre
erzeugt. Eine Atmosphäre, die einen in den Bann zieht. In
den Bann des eigenen Lebens.
(...)
Den Kontakt
zum Theater Fensterzurstadt sollte man auf jeden Fall herstellen.
Denn die Eigenproduktion Photographs and Memories zeigt, wie man
auch mit geringem Budget ein beeindruckendes modernes Theaterstück
auf die Bühne bringen kann. Meines Erachtens ein Muß
für Hannovers Theaterfreunde."
Hier können
sie den Mitschnitt
des Beitrags von radio flora komplett hören. (mp3, ca.
4,9 MB)
Von Lorenz
Varga für radio
flora, 5. November 2008