- ein Kammerspektakel
frei nach Wilhelm Busch
theater fensterzurstadt.5
Im magischen
Theater
Das Slapstickdrama "Rokk the Busch" hatte
im Ihme-Zentrum Hannover Premiere
In Herrmann Hesses Steppenwolf gibt es jene schöne Stelle,
in der der umherirrende Harry Haller ins "Magische Theater"
gelangt, dessen Leuchtreklame verkündet: "Eintritt nicht
für jedermann. Nur - für - Ver - rückte!"
Eine ähnliche Empfindung kann den Besucher beschleichen,
der abends im Wirrwarr der ähnlich klingenden Plätze,
Passagen und Etagen des hannoverschen Ihme-Zentrums das Theater
fensterzurstadt sucht - und dann eintritt in ein belebtes Foyer
mit Kerzenschein und rotem Brokat.
In einem inneren Zirkel gelangt er in einen tannengrün gestrichenen
Saal, mit gemütlicher Tafel und gusseisernen Ofen, als Bühne
für das angekündigte Kammerspektakel "Rokk the
Busch". Eine Kolumbine in feuerrot blitzendem Büstenhalter
deklamiert "Max y Moritz" auf Spanisch. Eine Handvoll
langbärtiger Uraltgesellen geht mit Gehstöcken und Teppichklopfern
stummfilmreif aufeinander los. Das ganze ist ungewöhnliche
untermalt mit Drum 'n' Bass und E-Gitarre.
Klubatmosphäre kommt auf, allerdings scheinen die Musiker
(Jan Exner, Heino Sellhorn, Alexander Triptitsis) mit ihren Zylinderhüten
nicht wirklich aus dem Hier und Jetzt zu sein. Genau wie die durch
Schranktüren auftretende Busch-Personage nebst dem Maestro
des unreinen Reims garselbst: "Man läuft herummer und
es ist immer derselbe Kummer."
Schaurig, grausam und voller Schadenfreude wird Kleinfritzchen
einen Kopf kürzer gemacht und im Fluss versenkt. Dann aber
geht es dem bösen Schneidermeister Böck, der dieses
verbrach, an den Kragen. Allerdings ist er nicht totzukriegen.
Immer noch zappelt der zähledrige Unhold mit seinen Strumpfhosenbeinchen
unter dem rotsamtenen Schlafrock.
Einige der schwärzesten und witzigsten Passagen haben die
mit großer Leidenschaft spielenden freien Theaterleute um
Ruth Rutkowski und Carsten Hentrich zu einer rhythmischen Collage
gefügt. Die Darsteller und Sänger Alexandra Faruga,
Andreas Jessing, Martin Thamm und die wundervolle Stimmkünstlerin
Karin Kettling sind so kauzig, wie es Busch-Gestalten sein müssen,
aber auch so zart in den lyrischen Passagen.
Man ist an Kriegenburg-Inszenierungen erinnert, an die herrliche
Junk-Opera Struwwelpeter - und doch ist dem Theater fensterzurstadt
etwas Eigenständiges gelungen. Treten Sie nur ein ins magische
Theater und erleben "Rokk the Busch"!
Johanna Di
Blasi
Hannoversche
Allgemeine Zeitung vom 25. 11. 2002
Slapstick und Ekstase
bei Rokk the Busch
Hu-Ha-Huha"
hauchen sie ins Mikrofon, dem Rhythmus des gezupften Kontrabasses
folgend, dazu klingen E-Gitarre und Schlagzeug: Fünf Schattenfiguren,
von Wilhelm Busch auf Papier entworfen, von Ruth Rutkowski und
Carsten Hentrich vom "Theater fensterzurstadt" zum Bühnenleben
erweckt.
Schnell,kurzweilig,experimentell kommt das Stück "Rokk
the Busch" in der ehemaligen Schalterhalle des Ihme-Zentrums
daher. Achtzig Minuten Kammerspektakel aus Musical, Tanztheater,
Slapstick und hinreißend choreografierten Bildergeschichten.
Max und Moritz auf Italienisch, nackte Männer, rote Spitzen-BHs,
ekstatische Tänze. Da wird gar die fromme Helene zur Alkoholikerin.
Wenn sich Carsten Hentrich als Schneidermeister Böck mit
der Heckenschere tötet, dann gibt er Slapstick in rotem Frack
und Blödelmütze. Vers-Akrobatik präsentiert Alexandra
Faruga: sie zerrt und stückelt das Gedicht "Fink und
Frosch", reißt an den Wörtern, singt sie in den
Himmel.
Jede Menge Lachnummern und diese merkwürdig-schöne Live-Musik:
Wilhelm Busch würde sich im Grabe umdrehen - um besser hören
und sehen zu können."
Neue
Presse vom 25. 11. 2002