Frei nach
William Shakespeares "Der Sturm"
theater fensterzurstadt.11
Shakespeares
"Sturm" im Ihmezentrum
HANNOVER.
"Schweig Sturmwind Still" heißt diese eigenwillige
Version von Shakespeares "Der Sturm". Doch das freie
Theater "fensterzurstadt" lässt die Winde heftig
brausen. Wolldecken hat man verteilt, es könnte kalt werden
in diesem großen, öden Eingangsflur am Ihmeplatz 8.
Doch Ödnis
und Kälte verfliegen schnell. Theaterfantasie vollbringt
ein kleines Raumwunder. Wehende, flatternde Tücher, flüsternde
und stürmische Klänge, Blitze und Lichterwellen entfesseln
die Natur. Vorn ein Flecken aufgestreuter Erde, kaum größer
als ein Wohnzimmerteppich.
Auf
diese Insel hat es Prospero verschlagen, als sein Bruder Antonio
ihn seines Herzogtums Mailand beraubte und mit dem feindlichen
König von Neapel paktierte. Auf dieser Insel herrscht er
mit Zaubermacht, gute und böse Geister gehorchen ihm. Die
lässt Prospero auf seine Gegner los, als sie in die Reichweite
seiner Stürme geraten und auf der Insel stranden.
Bruderzwist,
Intrige und Aufruhr, ein Rachedrama, in dem auch Liebe keimt,
über die Fronten hinweg. Der ganze Shakespeare-Kosmos steckt
in diesem späten Stück, das mehr ein verklärendes
Märchen und nicht leicht spielbar ist. In der Regie von Ruth
Rutkowski und Carsten Hentrich spielen fünf Darsteller das
nicht vom Blatt.
Sie
haben zu einer verdichteten Erzählweise gefunden, die viel
Originaltext enthält, aber auch eigene Prosa und eine Prise
Elementarlyrik. Die Vielfalt der theatralischen Mittel fügt
sich zu einem fantastischen Erzählstrom zusammen, der Intensität
und innere Hitze abstrahlt. Viel Beifall nach eineinhalb Stunden,
die Wolldecken wurden kaum gebraucht.
Von Siegfried
Barth
Neue
Presse vom 30.05.2005