ein Musik-Schau-
Spiel frei nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Thomas und Anna-Clara
Tidholm
Koproduktion Theater fensterzurstadt, Theaterwerkstatt Hannover
und Theater Triebwerk (Hamburg)
Jury-Entscheidung,
"Theaterpreis 2008"
Hinter uns
liegt ein weit reichendes Theaterfestival. Die Jury hat eine Fülle
von Formensprachen, Bilderreichtum, Spielexcellenz, mutige Zugriffe
auf Stoffe und Komik erlebt, die sich auf einem außerordentlichen
künstlerischen Niveau bewegen. Auszuzeichnen war hier die
beste Inszenierung unter hervorragenden. Dafür dankt die
Jury den beteiligten Theatern und der Programmjury, die diese
Auswahl zusammengestellt hat.
Ein Großvater
sitzt nicht mehr in seinem Sessel. Die Erwachsenen sind sprachlos
und die Kinder machen sich auf eine Suche, die zur Reise wird,
Millionen tausend Kilometer weit weg, um hinter das Schweigen
zu gelangen. Dabei nehmen sie uns Zuschauende als ihre Komplizen
mit. Mit allen Mitteln des Theaters wird uns in der Inszenierung
von Ruth Rutkowski vom schwerwiegenden Thema Tod mit Leichtigkeit
und überbordender Spiellust berichtet: Carsten Hentrich und
Elke Cybulski halten bravourös die Balance zwischen den Ebenen
von Figur, Spieler und Erzähler.
Die Jury überzeugte der fantasievolle Umgang mit Sprache,
Raum, Licht und Musikern, die führen, treiben, den Fluss
der Erzählung kommentieren und so zu gleichberechtigten Mitspielern
werden.
Der Preis
für Freies Kinder- und Jugendtheater 2008 der Niedersächsischen
Lottostiftung in Höhe von 20.000 Euro geht an die Ko-Produktion
"Die Reise nach Ugri-la-Brek" der drei Theater:
theaterfensterzurstadt, Theaterwerkstatt Hannover und Theater
Triebwerk.
Reinhard
Scheibe (Vorsitzender der Niedersächsischen Lottostiftung,
Staatssekretär a. D.), Tom Kraus (Leiter des Theaterpädagogischen
Zentrums der Emsländischen Landschaft (TPZ)), Annett Israel
(Berliner Büro des Kinder- und Jugendtheaterzentrums der
Bundesrepublik Deutschland) und Kirsten Haß (Kulturmanagerin,
Berlin).
Lingen, den
01. November 2008
Die Suche
nach Opa
Theaterwerkstatt zeigt "Ugri la Brek"
HANNOVER.
Sie erinnern ein wenig an Hänsel und Gretel. Hand in Hand
durch den dunklen Wald stapfend. Max und Jule sind sechs, als
ihr Opa eines Tages verschwindet. Aber Mama will nichts
sagen, und Papa weiß von nichts, erklärt Jule
dem Publikum in der Theaterwerkstatt im Pavillon. Also machen
sie sich auf den Weg, ihn zu finden, durch Wälder, Dörfer,
über Flüsse hinweg. Regisseurin Ruth Rutkowski zeigt
in Die Reise nach Ugri-La-Brek ein Märchen, halb
Traum, halb Realität, das von Abschied handelt, aber auch
vom Mut zum eigenen Handeln.
Auf der Suche
weit über das Fußballfeld und alle bekannten
Orte hinaus verschwimmen Vorstellung, Wunsch und Wirklichkeit.
Da werden Papierschnipsel zu Schnee, ein Koffer zum Erdloch, die
Bühne zum rutschigen Hang. Nahtlos wechseln Elke Cybulski
(Jule) und Carsten Hentrich (Max) von Sprache in jauchzende Freudentänze
und Gesang, begleitet von Uwe Schade (Cello) und Heino Sellhorn
(Kontrabass).
Die Musik
geht jedoch weit über Begleitung hinaus. Mit bedrohlichen
Untertönen und komischen Klangeffekten berichtet sie vom
Gefühlsleben der Protagonisten. Eine tiefere Ebene, die dies
Kinderstück auch für Erwachsene spannend macht. Die
karge Bühne lässt der Fantasie jeden Raum. Einzig eine
Wäscheleine mit Bettlaken dient unverrückbar als Projektionsfläche
für Bilder, denen Max und Jule begegnen.
Ugri-La-Brek
beeindruckt mit dichter Handlung, schlägt Eskapaden in die
Welt der Vorstellung, verliert aber nie den roten Faden.
Von Anna Berger
Neue
Presse vom 3. März 2008