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48 DER JUNGE MANN / DIE LEEREN SCHRÄNKE

Das freie Theater Fensterzurstadt bringt in seiner neuen Produktion zwei Werke von Annie Ernaux auf die Bühne: "Die leeren Schränke" (1974), ihr literarisches Debüt, und "Der junge Mann" (2022), ein später Text ihres autobiografischen Schaffens.

 

Annie Ernaux, Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 2022, gehört zu den prägendsten Stimmen der europäischen und internationalen Gegenwartsliteratur. In ihrem Werk verbindet sie persönliche Erinnerung mit analytischer Schärfe und macht individuelle Erfahrung als Teil gesellschaftlicher Wirklichkeit sichtbar. Schreiben wird bei ihr zu einer Form der Selbstverortung – zwischen Herkunft, Sprache, Körper und Geschichte.

​Die leeren Schränke erzählt vom Aufwachsen in einem sozial begrenzten Milieu, von Scham, Differenz und dem Versuch, sich durch Bildung und Sprache daraus zu lösen. Der junge Mann richtet den Blick auf eine spätere Lebensphase und die Rückschau auf eine intensive Beziehung zu einem jüngeren Mann – und auf die Spuren, die Vergangenheit im gegenwärtigen Erleben hinterlässt.In dieser doppelten Perspektive entfaltet sich ein Theaterabend über Erinnerung, Herkunft und Selbstbestimmung – und darüber, wie sich ein Leben im Schreiben immer wieder neu formt.

​Mit der Inszenierung "Der junge Mann" / "Die leeren Schränke" kehrt Fensterzurstadt noch einmal in die alte Tankstelle in Hannover zurück – an einen faszinierenden Ort, der mit dieser Inszenierung für einen Sommer wieder neu geöffnet, entdeckt und im Spiel verwandelt wird.

​SPIEL: Emma Djampour, Alexandra Faruga, Floriana Sommerauer / Carsten Hentrich, Heino Sellhorn, Marian Rutkowski // INSZENIERUNG & PROJEKTLEITUNG: Ruth Rutkowski, Carsten Hentrich // BÜHNE: Melanie Huke // KOSTÜME: Ruth Rutkowski // MUSIK: Heino Sellhorn // LICHT: Alexander Tripitsis

25

JUN

DER JUNGE MANN /

DIE LEEREN SCHRÄNKE

Premiere 20:00 Uhr

Vorstellungen:

27. Juni um 20:00 Uhr

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02. Juli um 20:00 Uhr

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21. August um 20:00 Uhr

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22. August um 20:00 Uhr

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29. August um 20:00 Uhr

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​02. September um 20:00 Uhr

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04. September um 20:00 Uhr

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05. September um 20:00 Uhr

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09. September um 20:00 Uhr

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23. September um 20:00 Uhr

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25. September um 20:00 Uhr

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26. September um 20:00 Uhr

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Karten nur im Vorverkauf: 

online unter rausgegangen.de

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Veranstaltungsort:

alte Tankstelle
Striehlstraße 14
30159 Hannover


Eintritt:
20,00 € (Vollzahler)
15,00 € (ermäßigt)

zzgl. Vorverkaufgebühren

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Kontakt
Ansprechpartner: Carsten Hentrich

Mobil: 0170 / 167 19 79
E-Mail: post@fensterzurstadt.de

Gefördert durch:

Kulturbüro Hannover, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur

und die Stiftung Niedersachsen.

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Nach Le jeune homme und Les armoires vides von Annie Ernaux, ©Gallimard.   

Aus dem Französischem von Sonja Finck. Aufführungsrechte für die Übersetzung: Suhrkamp Verlag GmbH Berlin.

Hannoversche Allgemeine Zeitung / Neue Presse  vom 30. Juni 2026

von Hannah Grützner

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Ein Dialog mit dem Ich: Theater fensterzurstadt zeigt Stück über Frausein - und trifft ins Herz

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Das Theater fensterzurstadt zeigt „Der junge Mann / Die leeren Schränke" nach Büchern von Literaturnobelpreisträgerin Annie

Ernaux. Drei Schauspielerinnen verkörpern gemeinsam eine Frau in verschiedenen Lebensphasen. Es ist ein intensiver Theaterabend.

 

Hannover. Braucht es wirklich noch ein weiteres Theaterstück über die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft? Das Theater fensterzurstadt gibt mit seiner aktuellen Inszenierung die Antwort: Es ist ein unmissverständliches Ja. Gespielt wird „Der junge Mann / Die leeren Schränke", basierend auf den gleichnamigen Romanen der französischen Literaturnobelpreisträgerin

Annie Ernaux. Darin geht es nicht nur um den Bruch mit überholten patriarchalen Ansprüchen.

 

In der intimen Atmosphäre der Alten Tankstelle an der Striehlstraße 14 entfaltet sich unter der Regie von Ruth Rutkowski und Carsten Hentrich auch ein Psychogramm, das weit über eine bloße Nacherzählung hinausgeht. Drei Frauen stehen gemeinsam auf der Bühne - und doch verkörpern sie alle dieselbe Person: Denise Lesur.

 

Drei Generationen, eine Stimme

Die Inszenierung fächert das Leben der Protagonistin in verschiedenen Phasen auf: von der Kindheit und der prägenden Schulzeit über die intellektuelle Emanzipation während des Studiums bis hin zur Zäsur der Menopause.

Dabei ziehen die drei Schauspielerinnen Emma Djampour, Alexandra Faruga und Floriana Sommerauer das Publikum in einen Sog der Selbstreflexion. Sie bilden ein Trio, das in ständiger Korrespondenz zueinander steht.

 

Was diesen Abend so besonders macht, ist die Form des inneren Dialogs. Wenn die drei Frauen gemeinsam Sätze aussprechen, die vermutlich viele Frauen im Publikum schon einmal gedacht, aber selten laut ausgesprochen haben, entsteht eine enorme emotionale Wucht. Es ist ein Gespräch mit sich selbst, das die Zerrissenheit zwischen Herkunft, gesellschaftlicher Erwartung und dem Drang nach individueller Freiheit offenlegt.

 

Erzählen statt Ausagieren

Dazu benötigt diese Inszenierung kaum männliche Präsenz auf der Bühne. Das Stück setzt konsequent auf das Erzählen statt auf das klassische Ausagieren. Selbst die skandalöse Affäre zwischen der 54-jährigen Protagonistin und einem 30 Jahre jüngeren Studenten wird nicht bildlich vorgeführt.

 

Das hat das Stück auch gar nicht nötig. Die schauspielerische Präzision reicht aus, um die Sehnsüchte, die Scham und den Triumph der Hauptfigur spürbar zu machen. Trotz der schweren Themen wie Erwartungsdruck und Identitätsverlust blitzt immer wieder ein feiner, kluger Witz auf, der die Inszenierung atmen lässt. Ein intensiver Theaterabend, der zeigt, dass die Suche nach dem „Genug-Sein" zeitlos bleibt.

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